► Ernährungstherapie in Rheinland-Pfalz: Beihilfe passt Höchstbeträge an
Rheinland-Pfalz hat mit Wirkung vom 1. September 2026 an im Vorgriff auf anstehende Änderungen der Beihilfeverordnung des Landes die beihilfefähigen Höchstbeträge für Heilbehandlungen erhöht, das gilt auch für die Ernährungstherapie.
Maßgeblich für die Abrechnung der höheren Beträge ist der jeweilige Behandlungstag. Die Infos zu den Beihilferegelungen aus Rheinland-Pfalz finden Sie im internen Bereich der Webseite unter dem Pfad >> Arbeitswelt >> Freiberuflichkeit.
Die Anpassung ist ein weiterer Schritt zur Finanzierung von Ernährungstherapie für beihilfeberechtigte Personengruppen. Beihilfeberechtigt sind grundsätzlich Personen im öffentlichen Dienst, die einen Anspruch auf Besoldung, Ruhegehalt oder Hinterbliebenenbezüge haben.
► Leitlinien-Update: Zöliakie-Diagnostik soll individueller werden
Die neue europäische Zöliakie-Leitlinie (ESsCD 2025) vereinfacht die Diagnostik in ausgewählten Fällen: Bei Erwachsenen unter 45 Jahren kann die Diagnose künftig auch ohne Dünndarmbiopsie gestellt werden, wenn die Anti-TG2-IgA-Werte deutlich erhöht sind und ein zweiter Bluttest das Ergebnis bestätigt.
Weitere Neuerungen betreffen den gezielteren Einsatz genetischer Tests, die Absicherung positiver Schnelltests durch Labordiagnostik sowie eine strukturierte Nachsorge. Neben Laborwerten sollen dabei auch Therapietreue, Lebensqualität, psychisches Wohlbefinden und individuelle Risikofaktoren berücksichtigt werden. Ein „Zöliakie-Pass“ soll den Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin erleichtern.
Für die Ernährungstherapie bleibt die lebenslange glutenfreie Ernährung der Goldstandard. Darüber hinaus hebt die Leitlinie die Bedeutung einer ausgewogenen Lebensmittelauswahl, der Prävention von Nährstoffmängeln und einer qualifizierten ernährungstherapeutischen Begleitung hervor. Bei anhaltenden Beschwerden kann in begründeten Einzelfällen vorübergehend eine FODMAP-arme Ernährung erwogen werden.
Für die Praxis bedeutet das einen umfassenden Betreuungsansatz, der neben der glutenfreien Ernährung auch Nährstoffstatus, Lebensqualität und psychosoziale Faktoren einbezieht.
Zur Leitlinie – Teil 1: Diagnostik (ESsCD 2025)
Zur Leitlinie – Teil 2: Management & Nachsorge
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Quelle: FETeV Newsletter 2026-28 | Mehr Dynamik in der neuen Zöliakie-Leitlinie
► Literaturtipp: Effekte von Prähabilitation unter realen Praxisbedingungen
Eine multimodale Prähabilitation kann die präoperative Fitness verbessern; ihre Wirkung ist jedoch nach wie vor relativ unklar, da bisherige Studien aufgrund kleiner Stichprobengrößen, Heterogenität und selektiver Populationen nur begrenzt aussagekräftig waren.
In einer großen niederländischen Kohortenstudie mit fast 2.400 Patienten, die sich einer Darmkrebsoperation unterzogen hatten, war deren Teilnahme an einem 4-wöchigen standardisierten, überwachten multimodalen Prähabilitationsprogramm in Vergleich zu vorliegenden Daten anderer Patienten aus denselben Zentren gesetzt worden. Die Studie in einem Viertel der niederländischen Krankenhäuser ist die größte Studie weltweit zur Prähabilitation bei Darmkrebsoperationen.
Das standardisierte Prähabilitationsprogramm dauerte vier Wochen, enthielt drei Mal pro Woche eine Stunde hochintensives Intervalltraining unter Anleitung eines Physiotherapeuten, Ernährungsberatung mit besonderem Augenmerk auf Proteine (1,2 bis 1,5 g pro kg KG/Tag) und Mikronährstoffe durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft, sowie Unterstützung bei der mentalen Vorbereitung durch einen Fallmanager oder eine spezialisierte Pflegefachkraft. Auch Komorbidität (anhand HbA1c-Grenzwerte von > 42 mmol/mol und > 53 mmol/mol) und Frailty wurden thematisiert. Zudem wurde ein Programm zur Rauchentwöhnung angeboten und vom Alkoholkonsum abgeraten.
Das Ergebnis: Die Teilnahme an dem Prähabilitationsprogramm war mit einer um etwa 20 Prozent niedrigeren Gesamtkomplikationsrate und einem um 1,8 Tage kürzeren Krankenhausaufenthalt verbunden, unabhängig vom Alter und dem Score der American Society of Anesthesiologists.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein standardisiertes multimodales Prähabilitierungsprogramm nicht nur das Auftreten von Komplikationen reduzieren, sondern auch ihre negativen Auswirkungen durch die Verbesserung der präoperativen Funktionsfähigkeit mildern kann.
Quelle: Sabajo CR, Ten Cate DWG, van Grinsven S, Groen LCB, Verdaasdonk EGG, Kerstens SCL, et al. Nationwide Implementation of Multimodal Prehabilitation and Complications After Colorectal Cancer Surgery. JAMA Surg 2026. DOI: 10.1001/jamasurg.2026.1519.
► Karrierebooster Spezialisierung: Wie Sie Ihren Marktwert gezielt steigern
Wer als Diätassistent heute ausschließlich breite Allgemeinberatung anbietet, konkurriert mit unzähligen Online-Angeboten und Apps. Der effektivste Karrierebooster im aktuellen Gesundheitsmarkt lautet daher: Eine punktgenaue Positionierung und Spezialisierung.
Für Angestellte gilt: Experten für Nischenthemen (wie Onkologische Ernährung, Mikrobiom-Therapie oder seltene Stoffwechselerkrankungen) machen sich im Team unverzichtbar. In der Freiberuflichkeit können Spezialisten ggf. höhere Stundensätze durchsetzen. Patienten und zuweisende Ärzte suchen gezielt nach Experten für ihr spezifisches Problem. Weitere Themen, die nicht von der breiten Masse der „Ernährungsberater“ bedient werden können, sind Ernährungspsychologie bei Essstörungen, Sporternährung für Leistungssportler oder pädiatrische Diätetik.
Nutzen Sie daher Zertifikate gezielt und setzen Sie auf anerkannte Fortbildungen, die von den Krankenkassen für die Bezuschussung nach § 20 und § 43 SGB V akzeptiert werden (z.B. über den VDD). Das ist Ihr Qualitäts-Gütesiegel.
► Social Media: Mehr Verantwortung in der Ernährungs-Kommunikation
Eine Gruppe von Medienschaffenden aus dem Ernährungsbereich hat die Initiative „InCharge“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Qualität und Transparenz von Ernährungsinformationen in sozialen Medien zu stärken und Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bessere Orientierung zu ermöglichen.
InCharge wird von einem interdisziplinären Team getragen, das Ernährung, Psychologie, Kommunikation und digitale Öffentlichkeiten zusammen denkt. Grundlage der vorgestellten Initiative ist eine Charta mit Leitlinien für eine verantwortungsvolle Kommunikation. Dazu gehören unter anderem wissenschaftsbasierte Informationen, transparente Kennzeichnung von Kooperationen und Werbung, respektvolle Kommunikation sowie die Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensrealitäten. Zudem sollen unrealistische Versprechen und vereinfachende Darstellungen vermieden werden.
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